Im Vergleich zu den Produktions- und Verkaufszahlen von Kleinbildkameras sind diese Zahlen bei den Fachkameras verschwindend klein. Trotzdem gibt es nach wie vor eine beachtliche Zahl von Fachkamera-Herstellern. Um einen Überblick über das Angebot zu bieten, ist es sinnvoll, drei Grundformen von Fachkameras zu unterscheiden.

1. Fachkameras mit Balgen

Fachkameras mit Balgen werden auf einer optischen Bank in Form einer Schiene oder eines Rohres montiert. Auf dieser Basis werden eine verschiebbare Bildstandarte mit Mattscheibe zur Bildbetrachtung und eine Objektivstandarte zur Aufnahme der Objektive angeordnet. Ein lichtdichter Balgen verbindet die Mattscheibe mit dem Objektiv.

Über Basisgelenke werden die beiden Standarten auf der optischen Bank fixiert. Diese Gelenke ermöglichen es aber auch, die Standarten horizontal und vertikal zu verschwenken. Dadurch werden Perspektivbeeinflussung und die Verlagerung der Schärfeebene möglich. Außerdem können die Standarten auf der optischen Bank vor- und zurück verschoben werden; dadurch wird es möglich, die Schärfe einzustellen und den Standarten-Abstand auf die Brennweite des jeweils verwendeten Objektivs abzustimmen.

Die Sinar P 3 ist eine klassische Fachkamera mit Bild- und Objektivstandarte, mit Basisgelenken und einem Wechselbalgen auf einer optischen Bank.Optimiert für die digitale Aufnahmetechnik auf kleineren Sensorflächen  im Vergleich zu den entsprechend grossen chemischen Filmen.

Die Sinar P 3 ist eine klassische Fachkamera mit Bild- und Objektivstandarte, mit Basisgelenken und einem Wechselbalgen auf einer optischen Bank.
Optimiert für die digitale Aufnahmetechnik auf kleineren Sensorflächen im Vergleich zu den entsprechend grossen chemischen Filmen.

Um die Schärfe einzustellen, wird stets die hintere Bildstandarte verschoben; ein Verschieben der (vorderen) Objektivstandarte würde den Objektabstand verändern, also den Abstand des Objektivs zum Objekt.

  • Beispiele für Fachkameras mit Balgen sind die Linhof Kardan, die Plaubel pl69 und die P3 von Sinar.

2. Fachkameras mit Laufboden

Laufbodenkameras bestehen aus einem Gehäuse, dessen Rückseite zugleich die Negativ-Standarte ist. Auf der klappbaren Vorderseite ist eine Schiene montiert, auf der die Objektivstandarte befestigt ist. Zusammengeklappt sind viele Laufbodenkamera nicht größer als ein Taschenbuch.

Vorteile dieser Bauart sind ein kompaktes Gehäuse und sehr guter Schutz für Balgen und Mechanik. Trotzdem bieten Laufbodenkameras die für Fachkameras typischen Verstellmöglichkeiten: Sowohl die Bildstandarte als auch die Objektivstandarte bieten Schwenk- und Schiebemöglichkeiten, um Schärfe, Schärfeebene und Perspektive zu verstellen. Wegen dieser Bauweise sind Laufbodenkameras zwar nicht in gleichem Maße flexibel wie Balgen-Fachkameras und ihre Verstellmöglichkeiten sind meistens kleiner. Dafür lassen sich Laufboden-Kameras schnell zusammenfalten.

  • Beispiele für Laufbodenkameras sind die Linhof Master Technika, die Horseman VH und die Tachihara BR.
Die Master Technika von Linhof , eine Großformatkamera im Format 4x5 Zoll, ist eine zusammenklappbare Laufbodenkamera. Als Fachkamera bietet sie Verstellungmöglichkeiten zur Beeinflussung von Perspektive und Schärfenebene.

Die Master Technika von Linhof, eine Großformatkamera im 4×5 Zoll-Format, ist eine zusammenklappbare Laufbodenkamera. Sie bietet Verstellungmöglichkeiten zur Beeinflussung von Perspektive und Schärfenebene.

3. Die XY-Fachkamera

Die XY- oder Weitwinkel-Fachkamera besitzt weder eine optische Bank noch einen Balgen. Vielmehr besteht sie aus einer Objektiv- und einer Bildstandarte, die auf Schienen mit vertikalen und horizontalen Verschiebemöglichkeiten an einem Rahmen befestigt sind. Die beiden Shift-Schlitten fahren auf der (horizontalen) X- und der (vertikalen) Y-Achse. Dadurch werden weite und präzise Bewegungen zur Perspektivkorrektur und für das Stitchen möglich.

Kennzeichnend für diesen Kameratyp sind außerdem besonders geringe Toleranzen. Für die Digitalfotografie ist dieser Punkt viel wichtiger als für die Analogfotografie. Digitalsensoren sind nämlich nur etwa 35 Mikrometer dick und so gut wie absolut plan. Film hingegen hat etwa die vierfache Stärke und liegt nie absolut plan; vielmehr wölbt er sich meistens leicht. Dies hat zur Folge, dass Film gewisse Toleranzen verzeiht, während man bei Digitalkameras die Schärfe viel genauer einstellen muss.

Damit der Fotograf die Schärfe regulieren kann, ist das Objektiv mit einer Einstellschnecke an der Objektivstandarte verbunden. Bei einigen Modellen sind die Schwenkmöglichkeiten allerdings eingeschränkt. Im Unterschied zur Standarten-Kamera und ähnlich der Laufboden-Kamera ist dieser Kamperatyp besonders klein, stabil und transportabel.

  • Typische Vertreter der Gattung XY-Kamera sind die ARCA-SWISS Rl3D, die Alpa 12 Max und die Cambo WRS 5000.
Die WRS 1200 von Cambo, eine Weitwinkelkamera mit verschiebbarer Bildstandarte, wird in verschiedenen Versionen angeboten. Die Modelle dieser Reihe bieten Möglichkeiten zur Perspektiv- und – dank verstellbarer Objektivschnecke - auch zur Schärfelagekorrektur.

Die WRS 1200 von Cambo, eine Weitwinkelkamera mit verschiebbarer Bildstandarte, wird in verschiedenen Versionen angeboten. Die Modelle dieser Reihe bieten Möglichkeiten zur Perspektiv- und – dank verstellbarer Objektivschnecke – auch zur Schärfelagekorrektur.

4. Mischformen

Über diese drei Grundformen hinaus gibt es Hybride, also Fachkameras, die Merkmale dieser drei sortenreinen Typen miteinander kombinieren. Eine Vertreterin dieser Spezies ist die Linhof Techno. Sie ist eine abgespeckte Laufbodenkamera, deren Objektivstandarte auf einem Laufboden verschiebbar ist. Das Modell ist allerdings nicht klappbar; und beide Standarten sind ausschließlich vertikal verschiebbar (Hochshift an der Bildstandarte, Hoch- und Tiefshift an der Bildstandarte). Durch Drehen und Neigen der Objektivstandarte lassen sich Schärfe, Schärfeebene und Perspektive zu verstellen.

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Die Objektivstandarte der Linhof Techno kann auf dem Laufboden verschoben werden.