Der zweite Teil meiner kleinen Hersteller-und-ihre-Modelle-Übersicht dreht sich um die von der Fotografenfamilie Koch gegründete schweizerische Sinar AG. Im Jahr 1947 stellte sie die Sinar Norma, ihre erste Fachkamera, vor. Sinar bietet derzeit Fachkameras auf optischer Bank der Reihe Sinar P, zwei unterschiedliche XY-Fachkameras und eine Fachkamera-Adaption für Kleinbild-Kameras an.

Die Sinar P2, eine Fachkamera mit optischer Bank, wird nicht mehr hergestellt. Unter Fachfotografen gilt sie jedoch als Inbegriff von schweizerischer Präzision und Stabilität, weshalb sie gerne für die digitale Fachfotografie verwendet wird. Dabei wurde diese Kamera ursprünglich für die analoge Fotografie gebaut. Die P2 wird hauptsächlich bei der Produktfotografie im Studio eingesetzt. Durch Umbau- bzw. Erweiterungssätze ist diese Kamera für die Formate 4 mal 5 Inch, 5 mal 7 Inch und 8 mal 10 Inch erhältlich.

Sinar-p2_600

Die Sinar P2, die unter Fachfotografen als Inbegriff von schweizerischer Präzision und Stabilität gilt, wird nicht mehr hergestellt.

Die Sinar P3, die moderne Variante der P2, wurde für die digitale Fotografie und für die Nutzung von digitalen Rückteilen optimiert. Auch dieses Modell wird hauptsächlich in der Produktfotografie im Studio eingesetzt.

Sinar-P3_600

Die Sinar P3 wurde für die Digitalfotografie und die Nutzung von digitalen Rückteilen optimiert.

Die Sinar arTec ist von Sinar zusammen mit dem Architekturfotografen Rainer Viertlböck für die digitale Architekturfotografie entwickelt worden. Sie bietet Shift-Möglichkeiten (Perspektivenkorrektur) sowohl in der Vertikalen wie in der Horizontalen. Horizontalverschiebungen werden mit der Bildstandarte, Vertikalverschiebungen hingegen mit der Objektivstandarte vorgenommen. Beim Stitchen können deshalb Parallaxefehler entstehen, also unerwünschte stereoskopische Effekte. Denn mit dem Verschieben des Kamera-Rückteils wird die Bildebene über das Bildfeld verschoben; dadurch werden bei gleichbleibender Perspektive unterschiedliche Ausschnitte abgebildet. Bei einer Verschiebung des Objektivs ändern sich der Aufnahmestandpunkt und mithin auch die Perspektive. Im Vordergrund des Bildes macht sich dieser Parallaxefehler deutlich bemerkbar; in der Ferne hingegen ist er kaum mehr feststellbar.

Die Verstellwege der Sinar arTec:

  • vertikal 40 mm (+25 mm, −15 mm),
  • horizontal 40 mm (r: 20 mm, l: 20 mm).

Die Kamera bietet die Möglichkeit, vertikal wie horizontal bis zu 5 Grad zu verschwenken (Tilt und Swing). Sinar bietet Objektive zwischen 23 und 135 Millimeter Brennweite an. Die Kamera kann auch analog mit Filmkassetten verwendet werden.

Die Sinar arTec ist die einzige XY-Fachkamera mit einem integrierten Schiebadapter, der ohne Abnehmen des Rückteils von der Einstellungs- auf die Aufnahmeposition verschoben werden kann. Das schützt die Kamera vor dem Eindringen von Schmutz und Nässe; außerdem wird die Wahrscheinlichkeit verringert, dass das digitale Rückteil dem Fotografen beim Wechsel zwischen Digitalback und Mattscheibe aus der Hand gleitet und herunter fällt.

Sinar-arTec_600

Die Sinar arTec ist von Sinar zusammen mit dem Architekturfotografen Rainer Viertlböck für die digitale Architekturfotografie entwickelt worden.

Die Sinar lanTec, ebenfalls ein XY-System, ist das neueste Sinar-Modell für den digitalen Einsatz in der Architektur- und Landschaftsfotografie. Diese Kamera bietet Shift-Möglichkeiten (Perspektivenkorrektur) in der vertikalen und in der horizontalen Ebene. Horizontalverschiebungen werden mit der rückwärtigen Bildstandarte vorgenommen, Vertikalverschiebungen hingegen mit der Objektivstandarte. Dadurch sind beim Stitchen Parallaxefehler möglich.

Die Sinar lanTec bietet folgende Verstellwege:

  • vertikal 40 Millimeter (+25 mm, −15 mm),
  • horizontal 40 Millimeter (r: 20 mm, l: 20 mm).

Vertikale oder horizontale Verschwenkungen (Tilt oder Swing) lässt diese Kamera nicht zu. Auch für diese Kamera werden Objektive mit Brennweiten zwischen 23 und 135 Millimetern angeboten. Und die Kamera ist mit Filmkassetten auch analog tauglich.

Sinar_lanTec_600

Die Sinar lanTec ist das neueste Sinar-Modell für den digitalen Einsatz in der Architektur- und Landschaftsfotografie.

Die Sinar p-slr ist – ähnlich wie die Cambo x-2 pro – keine Fachkamera im eigentlichen Sinne, sondern ein Großformatbody/-adapter für DSLR-Kameras, ähnlich einem Balgengerät. Sie erweitert DSLR-Kameras um Shift- und Tiltmöglichkeiten. Weil das Objektiv nicht nah an die Bildebene gebracht werden kann, sind mit einem solchen Aufbau jedoch keine extremen Weitwinkel-Aufnahmen möglich. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten eines solchen Systems insbesondere in der Architekturfotografie sehr ein.

sinar_Zentrierhilfe-p-slr_6

Die Sinar p-slr – hier mit Nikon-Kamera – erschließt der DSLR-Fotografie Shift- und Tiltmöglichkeiten.

siehe auch: Eine kleine Marktübersicht – Teil 1: Linhof (1. Februar 2013)